Monat: August 2016

LieberLesen-Tagebuch

Liebe Freund/​innen, Unterstützer/​innen und Interessierte von LieberLesen,

wir hel­fen Mäd­chen und Frau­en aus Flucht­län­dern bei der Inte­gra­ti­on. Was uns dabei pas­siert, wor­über wir lachen und wei­nen wol­len wir in unse­rem Lie­ber­Le­sen-Tage­buch in loser Fol­ge prä­sen­tie­ren. Viel Freu­de beim Lesen.

Ein anonymer Spender

Seit Janu­ar arbei­te ich mit Mäd­chen, Alter 7–14 Jah­re, aus einer Flücht­lings­un­ter­kunft in Ber­lin. Zwei­mal in der Woche tref­fen wir uns zum Spra­che ler­nen und gele­gent­lich zu einer beson­de­ren Unter­neh­mung.

Ges­tern ging es zu Bel­las Kin­der­back­stu­be in der Lich­ten­ra­der Stein­stra­ße. Bäcker Bar­tos Krü­ger hat­te den Mäd­chen eine Back- Ses­si­on mit Bäcker­müt­zen, Kuchen­teig, klei­nen Nudel­höl­zern, Aus­stech­förm­chen und viel Zucker­streu­sel zum Deko­rie­ren spen­diert. Die Anrei­se erwies sich jedoch als müh­sam. Die S-Bahn hat­te den Betrieb auf unse­rer Stre­cke ein­ge­stellt, so dass die Rei­se statt einer mehr als zwei Stun­den dau­er­te. Die Son­ne schien heiß, die Mäd­chen waren gereizt und müde.

Lang­sam trot­te­ten sie die ruhi­ge Stein­stra­ße ent­lang, als uns ein etwa 40-jäh­ri­ger Mann über­hol­te. Auf mei­ner Höhe dreh­te er sich zu mir hin: »Haben Sie etwas dage­gen, dass ich Ihnen dies gebe, damit sie den Kin­dern Eis kau­fen kön­nen?« Sprach‘s, schob mir einen gefal­te­ten fünf­zig Euro Schein in die Hand und ging ent­schlos­sen wei­ter!

Wunder in der Nasszelle

Am Mitt­woch waren Fati­ma und ich mit zwölf Mäd­chen auf dem Weg zur öster­rei­chi­schen Bot­schaft, wo die Mäd­chen zu einem klei­nen Emp­fang ein­ge­la­den waren.

Unter­wegs im Bus muss­te die klei­ne Sara drin­gend zur Toi­let­te. Sie wein­te, weil sie nicht sicher war, ob sie es bis zum Ende der Rei­se aus­hal­ten kön­ne. Bei der nächs­ten Hal­te­stel­le ließ ich daher alle aus­stei­gen.

Mit Sara und einem zwei­ten Mäd­chen an der Hand über­quer­te ich den Pots­da­mer Platz auf der Suche nach einem am Nach­mit­tag geöff­ne­ten Restau­rant und frei­em Toi­let­ten­zu­gang. Restau­rant Num­mer zwei war geeig­net, wir durf­ten rein und welch ein Wun­der: die Nass­zel­le erwies sich als außer­or­dent­lich inter­es­sant. Sie besaß näm­lich einen Star­mix Hand­trock­ner, in den man die Hän­de von oben rein­hal­ten und sie mit der aus­strö­men hei­ßen Luft trock­nen konn­te. Eine klei­ne tech­ni­sche Zau­be­rei! Die­ses Wun­der sprach sich blitz­ar­tig her­um. Alle Mäd­chen muss­ten jetzt zur Toi­let­te zu gehen, wenn auch nur um ihre Hän­de zu waschen.

Es dau­er­te lan­ge, bis ich alle Mäd­chen wie­der an der Hal­te­stel­le hat­te und wir mit dem nächs­ten Bus wei­ter fah­ren konn­ten. Da wir genü­gend Zeit­puf­fer mit­ge­bracht hat­ten, kamen wir aber noch recht­zei­tig bei der Bot­schaft an.