Eine zweite bedeutende Wirkung unserer gemeinsamen Ausflüge

Unter den 15 Mäd­chen gibt es Kur­din­nen, Ara­be­rin­nen, Mus­li­me, und Jesi­din­nen,  gibt ist Schii­ten und Sun­ni­ten. Es wer­den drei Spra­chen gespro­chen.

Zum Anfang unse­rer Arbeit in der Rusche­s­tra­ße waren die Span­nun­gen zwi­schen den Kin­dern der unter­schied­li­chen eth­ni­schen, sprach­li­chen und reli­giö­sen Grup­pen extrem stark. Zwi­schen­zeit­lich haben sich die Mäd­chen ange­freun­det und Glau­bens­rich­tung und Her­kunft sind viel weni­ger wich­tig gewor­den. Auch spre­chen sie immer häu­fi­ger Deutsch unter­ein­an­der.

Besuch im Deutschen Bundestag

Für den 31. August 2016 hat­te Rena­te Grand­ke, Vor­stands­mit­glied des För­der­ver­ein Lie­ber­Le­sen­För­dern e.V., für die Mäd­chen einen Besuch im Deut­schen Bun­des­tag arran­giert. Eine geschul­te Füh­re­rin begrüß­te die Kin­der und über­gab ihnen kind­ge­rech­tes Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al. Sie gab eine kur­ze Ein­füh­rung in die Geschich­te des Reichs­tags und erklär­te die Zusam­men­set­zung  und die Auf­ga­ben des Par­la­ments.

Kin­der konn­ten dann auf  der Zuschau­er­tri­bü­ne des Ple­nar­saals konn­ten kurz Platz neh­men und lausch­ten inter­es­siert  wei­te­ren Erklä­run­gen. Zum Abschluss wur­de die Glas­kup­pel und die schö­ne Dach­ter­ras­se besich­tigt und die Kin­der bewun­der­ten den wun­der­schö­nen Aus­blick über Ber­lin.

Bei jedem Aus­flug gibt es immer wie­der viel zu sehen: die Schau­fens­ter, die Mode­ge­schäf­te, die immer wie­der fas­zi­nie­ren­den Roll­trep­pen, die sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen, die Klei­der der Frau­en und auch die zärt­li­chen Lie­bes­paa­re. Für uns Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, doch für die Kin­der wich­tig für ihre Inte­gra­ti­on  und für ihren Weg in eine bes­se­re Zukunft.

Empfang in der österreichischen Botschaft

Die Lions Inter­na­tio­nal orga­ni­sier­ten für unse­re  Mäd­chen einen Emp­fang in der Öster­rei­chi­schen Bot­schaft. Am 17. August 2016 tra­ten die Kin­der die Fahrt von Lich­ten­berg nach Mit­te an. Von der Assis­ten­tin der Pres­se­ab­tei­lung wur­den sie freund­lich emp­fan­gen. Regi­na Tschann rich­te­te Grü­ße vom Bot­schaf­ter aus, der lei­der ver­hin­dert war. Sie über­gab jedem Kind einen wun­der­schö­nen Bild­band mit Fotos aus Öster­reich und erklär­ten ihnen kurz die Auf­ga­ben und die Tätig­kei­ten eines Bot­schaf­ters und  die High­lights, die ihr Land berühmt machen: Die hohen Ber­ge, das Ski­fah­ren, die vie­len schmack­haf­ten Tor­ten und die fei­nen Kaf­fee­sor­ten.

Anschlie­ßend wur­den die Kin­der durch die Emp­fangs­räu­me geführt und bestaun­ten die schö­nen Möbel, die dicken Tep­pi­che, die Bil­der von Kai­ser­kin­dern und das fei­ne Por­zel­lan. Zum Abschluss gab es dann die fei­nen  Kuchen und Tor­ten. In kür­zes­ter Zeit war das Buf­fet geleert.

Glück­lich ver­lie­ßen  die Kin­der nach zwei Stun­den die Bot­schaft. Wie­der hat­te sie viel Neu­es über das Leben in einer für sie noch immer sehr frem­den Welt erfah­ren.

LieberLesen-Tagebuch

Liebe Freund/​innen, Unterstützer/​innen und Interessierte von LieberLesen,

wir hel­fen Mäd­chen und Frau­en aus Flucht­län­dern bei der Inte­gra­ti­on. Was uns dabei pas­siert, wor­über wir lachen und wei­nen wol­len wir in unse­rem Lie­ber­Le­sen-Tage­buch in loser Fol­ge prä­sen­tie­ren. Viel Freu­de beim Lesen.

Ein anonymer Spender

Seit Janu­ar arbei­te ich mit Mäd­chen, Alter 7–14 Jah­re, aus einer Flücht­lings­un­ter­kunft in Ber­lin. Zwei­mal in der Woche tref­fen wir uns zum Spra­che ler­nen und gele­gent­lich zu einer beson­de­ren Unter­neh­mung.

Ges­tern ging es zu Bel­las Kin­der­back­stu­be in der Lich­ten­ra­der Stein­stra­ße. Bäcker Bar­tos Krü­ger hat­te den Mäd­chen eine Back- Ses­si­on mit Bäcker­müt­zen, Kuchen­teig, klei­nen Nudel­höl­zern, Aus­stech­förm­chen und viel Zucker­streu­sel zum Deko­rie­ren spen­diert. Die Anrei­se erwies sich jedoch als müh­sam. Die S-Bahn hat­te den Betrieb auf unse­rer Stre­cke ein­ge­stellt, so dass die Rei­se statt einer mehr als zwei Stun­den dau­er­te. Die Son­ne schien heiß, die Mäd­chen waren gereizt und müde.

Lang­sam trot­te­ten sie die ruhi­ge Stein­stra­ße ent­lang, als uns ein etwa 40-jäh­ri­ger Mann über­hol­te. Auf mei­ner Höhe dreh­te er sich zu mir hin: »Haben Sie etwas dage­gen, dass ich Ihnen dies gebe, damit sie den Kin­dern Eis kau­fen kön­nen?« Sprach‘s, schob mir einen gefal­te­ten fünf­zig Euro Schein in die Hand und ging ent­schlos­sen wei­ter!

Wunder in der Nasszelle

Am Mitt­woch waren Fati­ma und ich mit zwölf Mäd­chen auf dem Weg zur öster­rei­chi­schen Bot­schaft, wo die Mäd­chen zu einem klei­nen Emp­fang ein­ge­la­den waren.

Unter­wegs im Bus muss­te die klei­ne Sara drin­gend zur Toi­let­te. Sie wein­te, weil sie nicht sicher war, ob sie es bis zum Ende der Rei­se aus­hal­ten kön­ne. Bei der nächs­ten Hal­te­stel­le ließ ich daher alle aus­stei­gen.

Mit Sara und einem zwei­ten Mäd­chen an der Hand über­quer­te ich den Pots­da­mer Platz auf der Suche nach einem am Nach­mit­tag geöff­ne­ten Restau­rant und frei­em Toi­let­ten­zu­gang. Restau­rant Num­mer zwei war geeig­net, wir durf­ten rein und welch ein Wun­der: die Nass­zel­le erwies sich als außer­or­dent­lich inter­es­sant. Sie besaß näm­lich einen Star­mix Hand­trock­ner, in den man die Hän­de von oben rein­hal­ten und sie mit der aus­strö­men hei­ßen Luft trock­nen konn­te. Eine klei­ne tech­ni­sche Zau­be­rei! Die­ses Wun­der sprach sich blitz­ar­tig her­um. Alle Mäd­chen muss­ten jetzt zur Toi­let­te zu gehen, wenn auch nur um ihre Hän­de zu waschen.

Es dau­er­te lan­ge, bis ich alle Mäd­chen wie­der an der Hal­te­stel­le hat­te und wir mit dem nächs­ten Bus wei­ter fah­ren konn­ten. Da wir genü­gend Zeit­puf­fer mit­ge­bracht hat­ten, kamen wir aber noch recht­zei­tig bei der Bot­schaft an.